Es gibt viele Möglichkeiten seinen eigenen Boliden in die ewigen Jagdgründe zu schicken: Man kann ihn auf dem Schrottplatz verschrotten lassen, man könnte ihn mit einem Vorschlaghammer ein wenig “bearbeiten” oder man kann ihn in adrenalingetriebenen Destruction Derbys zu Kleinholz verwandeln und dabei noch eine Menge Spaß haben. Falls ihr euren eigenen PKW aber doch noch brauchen solltet, gibt es endlich wieder eine gute, virtuelle Alternative – mit dem Spiel Wreckfest vom Entwickler Bugbear.

Wreckfest, damals noch bekannt unter dem Namen Next Car Game, gibt es eigentlich schon länger als man glaubt. Im Jahre 2013 begann der Entwickler Bugbear eine Kickstarter-Kampagne, wo ein Ziel von 350.000 Dollar erreicht werden sollte. Schlussendlich floppte es, lediglich kamen nur 81.722 Dollar zustande. Doch man versuchte es weiter, mit Pre-Order-Aktionen auf der eigenen Webseite, welche mit einer Vorschauversion des Spiels lockten. Damit hatten sie letztendlich das erhoffte Ziel von 350.000 Dollar erreicht. Am 15. Januar 2014 startete dann Next Car Game im Early Access-Programm von Steam und wurde schnell in der Community sehr beliebt, innerhalb von einer Woche erzielten Bugbear eine Millionen Dollar. Am 3. Oktober 2014 entschlossen sich Bugbear dann, das Spiel Wreckfest zu nennen.

Doch die Entwicklung des eigentlichen Spiels verlief nicht immer reibungslos. Wochenlange Kommunikationspausen seitens der Entwickler, keine Fortschritte und schwindendes Vertrauen der Community zerrten sehr an Wreckfest. Doch 2017 dann die Kehrtwende: Mit THQ Nordic holte man sich einen sehr erfahrenden Publisher mit ins Boot und von dort an nahm die Entwicklung wieder volle Fahrt auf. Monat für Monat wurde das Spiel kontinuierlich verbessert, bis die Ankündigung im Juni 2018 kam, dass Wreckfest das Early Access-Programm verlassen soll.

Genug Geschichtsstunde, jetzt kommen wir zum spaßigen Teil.

Quelle: Steam

Let’s get ready to rumble!

Wreckfest ist ein klassisches Rennspiel und auch wieder nicht. Das Ziel: seine Konkurrenten zu Schrott zu fahren oder klassisch auf Rennstrecken schneller zu sein als die bis zu 24 anderen Teilnehmer. Dabei werden aber keine Waffen oder Gadgets benutzt, wie etwa bei Mario Kart oder Twisted Metal. Die einzige Waffe, die ihr besitzt, ist euer Wagen selbst. Ihr steuert einen von über 30 Fahrzeugen auf vielen verschiedenen Rennstrecken oder Arenen. Über normale Rundrennen bis zum waghalsigen Destruction Derby ist für Freunde der virtuellen Verschrottung alles dabei. Im Repertoire sind unter anderem auch ziemlich ungewöhnliche Fahrzeuge wie ein Mähdrescher, ein Schulbus oder ein Aufsitzrasenmäher. Doch das besondere Highlight von Wreckfest – die Physik.

Quelle: Steam

Man merkt ziemlich schnell, dass es in Wreckfest nicht gerade zimperlich zu geht. Kleinste Berührungen bis hin zur kompletten Zerstörung der Kisten auf vier Rädern sind hier an der Tagesordnung. Mit umherfliegenden Teilen, komplette Verformung der Karosserien und zerstörten, mechanischen Teilen, die den Wagen unkontrollierbar machen, muss also gerechnet werden. Es wirkt manchmal auch ein wenig unrealistisch, wenn auf einmal die komplette Front des Wagens fehlt, im Eifer des Gefechtes fallen solche “Details” aber nicht groß auf.

Dabei spielt die KI der Gegner ziemlich gut mit: In drei Schwierigkeitsstufen fahren die Computerkollegen nicht nur in der schnurgeraden Schlange über die Ideallinie, gerne machen sie auch mal Fehler und schieben den eigenen Blechhaufen in die Wand oder in den Reifenstapel. Doch bleiben sie auch anspruchsvoll: So entstehen schöne Überholmanöver auch bei engen Streckenabschnitten oder gefährliche seitliche Rammattacken in Destruction Derbys. Einen Gummiband-Effekt bei Rundrennen wie bei manchen Rennspielkonkurrenten gibt es hier nicht.

Wenn man mal seinen eigenen Wagen in die Wand gedrückt hat, hat man immer noch die Möglichkeit, den Wagen wieder auf die Piste zurückzusetzen. Der Schaden jedoch bleibt. Dies hat sogar Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Die Federung, der Motor, die Schaltung und die Bremsen können, je nach Beschädigung des Wagens, ziemlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Und wenn man mal Zuviel von der Konkurrenz kassiert hat, ist der Wagen Schrott und das Rennen ist vorbei. Dann heißt es nur: Neustart!

Quelle: Steam

Bremsen macht die Felgen dreckig

Wreckfest bietet einen Karrieremodus, welcher aber sehr trist und ohne Tiefe dargestellt wird. Eine Story, die uns durch die Karriere führt, gibt es hier nicht. Wir werden lediglich durch 5 verschiedene Meisterschaften geführt, welche von Juniorenmeisterschaften bis hin zu Weltmeisterschaften geht. In der Meisterschaft selbst ist es frei wählbar, welche Rennserie oder Destruction Derby wir als Erstes spielen. Doch völlig ohne Motivation müssen wir diese Meisterschaften zum Glück nicht fahren. So gibt es allerhand Dinge zum Freischalten, wie etwa neue Fahrzeuge oder auch neue Fahrzeugteile für den eigenen Wagen. Außerdem bekommen wir für jedes Rennen Geld und Erfahrungspunkte, womit wir uns unsere freigeschalteten Autos und Teile kaufen können. Direkt verfügbar sind die Fahrzeuge nämlich nicht. Steigt man bei genügend Erfahrungspunkten im Level auf, schaltet man dadurch neue Fahrzeugteile frei.

Denn auch Tuning beinhaltet Wreckfest. Zwar pimpen wir uns keinen Showwagen zusammen á la Need for Speed, doch neue Teile zum Verbessern der Fahreigenschaften oder Material, welches wir an den Wagen anbauen können, stehen uns, nachdem wir es für den passenden Wagen freigeschaltet haben, zur Verfügung. Diese wirken sich auf die verschiedenen Leistungsdaten des Wagens aus, wie etwa Beschleunigung, Geschwindigkeit, Kurvenverhalten oder Stärke. Dazu gibt es für Freunde der Optik aber auch die Möglichkeit, den Wagen in seine Lieblingsfarbe zu pinseln und aus vorgegebenen Mustern den Wagen seinen eigenen Look zu verpassen. Viel mehr darf man aber beim Tuning nicht erwarten, zwar hat man noch die Möglichkeit ein wenig Feintuning an der Federung, beim Getriebe oder bei der Bremsbalance vorzunehmen, diese sind aber nur in festgelegten 3-stufigen Reglern verstellbar.

Gefahren wird auf verschiedenen Bodenbelägen: Asphalt, Schotter, Sand und Schlamm. Teilweise auch wild gemischt. Die Streckenauswahl bietet für jeden etwas. So fahren wir im klassischen Nascar-Oval oder über einen abwechslungsreichen Offroad-Rundkurs, für Freunde der Fahrzeugmetzelei sind 8-Derbys oder Demolierungsarenen genau das Richtige. Und wem das nicht reicht: Der Modsupport ermöglicht es, sich unter anderem noch mehr Rennstrecken aus dem Steam-Workshop herunterzuladen.

Quelle: Steam

Grafisch kein Totalschaden

Grafisch sieht Wreckfest gut aus. Schöne, abwechslungsreiche Fahrzeuge mit deren Details lassen das Rennspektakel gut aussehen. Besonders die Schäden am Wagen und die umherfliegenden Einzelteile hat man in der Form wirklich selten so eindrucksvoll bei Rennspielen gesehen. Aber auch die Orte und Rennstrecken machen einen guten Eindruck. Umgebungsobjekte wie Reifenstapel, Zäune oder Mauern werden durch euch ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, sobald sie getroffen werden. Netter Nebeneffekt: Die Objekte bleiben allesamt auf den Strecken liegen, wenn sie umgefahren wurden, auch zerstörte Autos. Dies hat zur Folge, dass der kaputte Konkurrent auch mal zu einem Hindernis werden kann, wenn der Wagen an einer ungünstigen Stelle außer Gefecht gesetzt wurde.

Abseits der Strecke ist aber nicht viel los, hier mal ein paar Zuschauer, die fröhlich winken oder auch mal ein paar Fahnen die im Wind wehen, aber sonst gibt es nicht viel zu entdecken. Das macht aber auch nichts. Das Spektakel auf der Rennstrecke selbst entschädigt für die maue Umgebung der Rennstrecken. Als nettes Gimmick hat man aber die Möglichkeit, im Fotomodus schöne Aufnahmen während des Rennens zu schießen.

Quelle: Steam

Auch der Sound macht eine gute Figur. Die Fahrzeuge könnten zwar ein wenig mehr Wumms beim Klang der Motoren vertragen, dies fällt aber nur auf, wenn man auf der Piste nur seinen eigenen Wagen in der Umgebung hat. Der Soundtrack macht ebenfalls einen guten Eindruck, viele rockige Songs untermalen die Stimmung des Spiels.

Die Systemanforderungen von Wreckfest fallen dabei sehr moderat aus: So benötigt man eine Nvidia Geforce GTX 560 oder eine AMD Radeon HD 6850 oder höher, 4 GB Arbeitsspeicher und einen Intel Core 2 Duo mit 2,4 GHz.

Für schwächere PCs sind die Grafikeinstellungen sehr umfangreich, viele Grafikeffekte kann man nach belieben hoch- oder runterschrauben. Zudem lief Wreckfest stehts flüssig.

Wreckfest unterstützt außerdem Lenkräder mit Force Feedback, Pedalen und H-Schaltung.

Mehr Autos, mehr Schrott = Mehr Spaß

Auch einen Multiplayer bietet Wreckfest. Dedizierte Server, die von Entwickler Bugbear gestellt sind, aber auch eigene Server kann man nach Belieben erstellen und einstellen. Auch hier kann man mit bis zu 24 Fahrern um die Wette heizen oder crashen. Bei höheren Fahrerzahlen ist es aber ratsam, dass man auch eine dementsprechende Bandbreite besitzt. Bei 24 Wagen kann es auch gerne mal zu Verzögerungen oder zu Verbindungsabbrüchen kommen. Ansonsten kann man sein eigenes Rennen einstellen, wie man möchte. Unter anderem die Stecke, Rundenzahl, Fahrzeugklasse und Wetterbedingungen lassen viel Platz zum Erstellen.

Einen Splitscreen bietet Wreckfest zwar nicht, aber einen lokalen Multiplayer über LAN. Perfekt für eine klassische LAN-Party.

Quelle: Steam

Wreckfest ist aktuell auf Steam für 35 Euro zu haben, in der Deluxe-Edition für 45 Euro. Diese beinhaltet noch ein exklusives Fahrzeug, Wallpaper und den Soundtrack. Ab dem 20. November 2018 ist Wreckfest dann auch Playstation 4 und Xbox One verfügbar.

Quelle: Steam
Überblick der Rezensionen
Fazit
85 %
Ich bin leidenschaftlicher Gamer, Fußballfan (nur der FCSP!) und Strippenzieher, wortwörtlich..