Ein jeder, dem der Sinn nach pazifischem Blödsinn steht und der mit der Zeichentrickserie über einen quietschgelben Schwamm aus Bikini Bottom groß geworden ist, denkt bei dem Titel Zelte und Bäume wohl unweigerlich an das ebenso simple wie amüsante Spiel Rolltreppen und Aale. Sie kennen es nicht? Keine Sorge! In dieser Review soll es nicht um ebendiesen Klassiker der Unterwasserwelt aus der Feder von Stephen Hillenburg gehen, sondern um das Smartphone-Spiel Zelte und Bäume. Wir verraten Ihnen, ob wir es hier mit einer Rolltreppe – also mit einem Volltreffer – oder mit…Aalen – also einem Griff in das sprichwörtliche Klo – zu tun haben.

Worum geht es?

Die Regeln des auf den ersten Blick simplen Spiels sind schnell erklärt: Wir starten auf einem quadratischen Spielfeld, das aus lauter kleinen Kästchen besteht und damit stark an ein Sudoku-Rätsel erinnert. In einigen Kästchen befinden sich Bäume, alle übrigen Felder sind schwarz. Unsere Aufgabe besteht nun darin, diese schwarzen, also leeren, Felder entweder mit einer Wiese (1x klicken) oder einem Zelt (2x klicken) zu füllen. Wie viele Zelte dabei in jeder Spalte und in jeder Zeile stehen müssen, sagen uns die Zahlen, die am linken und oberen Rand des Spielfeldes stehen. Dabei muss an jeden Baum genau ein Zelt unmittelbar (d.h. oben, unten, links oder rechts statt diagonal) angrenzen. Einzelne Zelte dürfen sich dabei jedoch nicht berühren, und zwar weder unmittelbar noch diagonal. Das ist genau so verwirrend wie Stein, Papier, Schere, Echse, Spock? Einfach den Absatz noch einmal lesen und dann geht’s weiter!

Quelle: Google Play Store

Kennen wir das nicht schon?

All denen, die gerade ein Déjà-vu-Erlebnis haben, sei gesagt: Das Spiel erfindet das Rad der Knobelspiele nicht völlig neu. In gewisser Weise vereint es aber Elemente unterschiedlicher Spiele-Klassiker. Mit dem wohl nicht nur Windows-Nutzern bekannten Minesweeper hat es gemeinsam, dass man sich bei einem offenen bzw. leeren Feld zwischen zwei Alternativen entscheiden muss: Entweder vermute ich auf dem Feld eine Mine – dann setze ich ein Fähnchen. Oder ich gehe davon aus, dass das Feld ungefährlich ist und klicke es frei. In Zelte und Bäume schlage ich stattdessen ein Zelt auf oder ich pflanze eine saftige Wiese. Mit dem eher analog gespielten Rätselheft-Klassiker Sudoku ist es insofern verwandt, als wir ein Spielfeld Stück für Stück ausfüllen müssen und dabei durch logisches Kombinieren exakt bestimmen können, wie das zu passieren hat.

Doch am stärksten schimmert die Verwandtschaft mit dem weithin unterschätzten Mario’s Picross aus dem Hause Nintendo durch. Denn auch dort war es wesentliches Spielziel, ein quadratisches Feld so auszufüllen, wie es die Zahlen am linken und oberen Spielfeldrand vorgegeben haben. Der Spieler musste sich dabei zwischen einem dunklen freigemeißelten und einem hellen durchgekreuzten Feld entscheiden. Auf diese Weise sind die unterschiedlichsten Bilder entstanden, deren Freilegung zugleich die Belohnung für den fleißigen Spieler war. Ein pfiffiges, aber leider in Vergessenheit geratenes Spielkonzept. Ein Segen also für alle Picross-Fans, dass es nun Zelte und Bäume gibt!

Wie spielt es sich?

Was sich auf den ersten Blick vielleicht liest wie ein sehr theoretisches Spiel, bei dem man die Spielregeln auch nach einer halben Ewigkeit nicht verstanden hat und damit ein einziges Frustrationserlebnis erleidet, entpuppt sich schon nach wenigen Spielminuten als ein herrlich erfrischendes Spiel mit jeder Menge Suchtpotenzial. Zu Beginn sind die Spielfelder noch verhältnismäßig klein und bestehen nur aus wenigen Kästchen, sodass man die Spielregeln im Kleinen lernen kann, ohne sich überfordert zu fühlen. Auf diese Weise verinnerlicht man die Regeln schnell und dürstet nach größeren Spielfeldern – und die kommen prompt. Die Geschwindigkeit, mit der die Spielfelder größer und damit schwieriger werden, erscheint aber zu jeder Zeit angemessen. Weder kommt Langeweile auf, noch verspürt man den Drang, das werte Handy an die Wand zu katapultieren, weil man partout nicht wüsste, wo man das nächste Zelt aufzuschlagen hat. Und so wächst das Spielfeld im weiteren Verlauf auf eine Größe von bis zu 18×18 Kästchen an, sodass man an einem Level mitunter schon einmal 20 bis 30 Minuten zu knacken hat.

Für eine gute Langzeitmotivation sorgt die Struktur der Levels: Jeweils 20 Levels bilden eine Levelgruppe (mit Ausnahme der ersten Gruppe, dort sind es nur zehn Levels), von denen es wiederum 27 Stück gibt. Will man also alle Gruppen erfolgreich abschließen, muss man sich vorher durch 540 Levels knobeln. Eine wahrhaft stattliche Anzahl! Doch das ist noch nicht alles: Ebenso wie viele andere Smartphone-Spiele bietet auch Zelte und Bäume tagesaktuelle Herausforderungen an. Das sind noch einmal drei weitere Levelgruppen mit jeweils sechs Levels in unterschiedlicher Größe und Schwierigkeit. Schnell macht sich der Wille breit, nicht zu ruhen, bevor alle Rätsel gelöst sind und man sich als alter Zelte und Bäume-Veteran „nur“ noch den Tagesrätseln widmet.

Und was kostet das?

Ein Smartphone-Spiel wäre natürlich kein Smartphone-Spiel, wenn es keine kostenpflichtigen Inhalte bereithalten würde. Und so kann man auch in Zelte und Bäume echtes Geld für virtuelle Zusatzinhalte ausgeben bzw. genau genommen eigentlich nur für einen einzigen, und zwar für Münzen. Die braucht man, um die oben angesprochenen Levelgruppen freizuschalten. Doch keine Sorge: Man wird nicht dazu gezwungen, schon das erste Geld auszugeben, wenn man gerade erst die Spielregeln halbwegs verstanden hat. Denn schon für jedes gelöste Level bekommt man zwei Münzen. Das ist zugegebenermaßen nicht die Welt, aber reicht am Anfang aus, um die nächste Levelgruppe freizuschalten. Und hierbei darf man nicht vergessen, dass auch das erfolgreiche Lösen der tagesaktuellen Rätsel mit Münzen belohnt wird!

Aber auch wenn man später im Spiel mit den Münzen aus den Levels alleine nicht mehr allzu gut auskommen sollte, wächst sich das nicht zur unfairen Kostenfalle aus. Zum einen hat man die Möglichkeit, alle sechs Stunden vollkommen kostenfrei zehn Münzen zu bekommen, indem man auf einen Button im Hauptmenü klickt. Wem das zu lange dauert, bis er die nächste Levelgruppe freischalten kann, der hat zum anderen die Möglichkeit, Münzen gegen echtes Geld zu erwerben. Hier reicht die Spannbreite von 100 Münzen für 0,99 Euro bis zu 1150 Münzen für 9,99 Euro. Als dritte Möglichkeit kann sich der Spieler nach einem erfolgreich gelösten Level ein 30-sekündiges Werbevideo anschauen, um den Gewinn von zwei Münzen auf vier Münzen zu verdoppeln.

Man kann also bereits mit mäßiger Geduld komfortabel durch das Spiel kommen, ohne jemals auch nur einen einzigen Cent ausgegeben zu haben. Aber selbst die Preise für die kostenpflichtigen Münzen erscheinen insgesamt fair und auch angemessen abgestuft. Und mal unter uns: Von irgendwas müssen auch die Entwickler ihre Kühlschränke füllen.

Überblick der Rezensionen
Gesamtfazit
85 %
Ich bin zwar Jahrgang 1991, aber aufgewachsen (mit) anno 1602 – seitdem bin ich großer Fan der Aufbauspiel-Serie, die mir das Tor in die Welt der Spiele geöffnet hat. Doch mein Nickname entstammt eigentlich einem bekannten deutschen Rollenspiel. Welches war das noch gleich? Unter allen richtigen Antworten verlosen wir „fünf Stücke gebratenes Fleisch“!

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