Stellt euch vor, ihr wärt der Trainer eures Favoritenteams. Euer Team steht im Finale des Pokals. Blut, Schweiß und Tränen – die vor Freude geflossen sind, weil die Leistung eurer Mannschaft bis hierhin unbeschreiblich gut war. Nur noch eine große Hürde – gegen den großen Favoriten. 1:1. Es bricht die 89. Minute an. Alles oder nichts. Euer Stürmer ist müde, wahrscheinlich zu müde für eine Verlängerung. Ihr entscheidet euch, ihn auszuwechseln. Doch gegen wen? Die Qual der Wahl.

Ihr habt euch entschieden, euer neuer Mann ist auf dem Platz. Kurz vor Spielende werden die Reihen der Gegner nervöser. Das nutzt euer neuer Mann gekonnt aus. Er schießt und… 2:1! Eure Entscheidung war genau die Richtige! Ihr gewinnt des Pokals! Herzlichen Glückwunsch!

Das klingt doch gut, oder? Also warum nicht einfach mal selbst erleben? Mit dem Football Manager aus dem Hause Sports Interactive.

 

„Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!“ – Horst Hrubesch

Lange Zeit war es still in Deutschland, wenn es um das Thema Fußball Manager ging. Der Platzhirsch der Fußball Manager-Spiele in Deutschland war lange Zeit der gleichnamige Titel von EA Sports, bis dieser nach 14 Teilen mit Fussball Manager 2014 endete. Was nun? Gibt es Alternativen?

Nun, eigentlich nicht. Eigentlich. Es gab Wege, die Sucht nach dem Managen der eigenen Fußballmannschaft zu befriedigen. Und hier kommt Sports Interactive ins Spiel. Die Schöpfer des Football Managers, die seit 2007 an ihrer Reihe arbeiten, konnten aus lizenzrechtlichen Gründen ihre größte Reihe aber zuletzt nicht in Deutschland veröffentlichen. Zumindest nicht offiziell. Über Umwege wie etwa Keysellern hatte man aber dennoch die Chance, die Reihe auch in Deutschland genießen zu können. Damit entstand auch in Deutschland eine große, lebendige Community.

Doch mit dem Football Manager wurden jetzt diese Umwege genommen, indem man die Lizenz der Bundesliga und der 2. Bundesliga erwarb und damit auch in Deutschland das Spiel offiziell erwerben kann.

„Ihr Fünf spielt jetzt vier gegen drei.“ – Fritz Langner

Wenn man in Football Manager das erste Mal startet, fühlen die meisten Hobbymanager sich garantiert erst einmal erschlagen an der Informationsmenge, die hier präsentiert wird. Information über Information, in etwas unübersichtlichen Menüs, welche optisch nicht gerade schön geraten sind. Doch darum geht es Sports Interactive auch gar nicht. Das Ziel der Entwickler: Eine detailgetreue Simulation des Fußballs, worauf der Hobbymanager Einfluss nehmen kann, indem er seine Idee von beispielsweise Taktik, Aufstellung und Spieleranweisungen im Spiel umsetzt. Und das ist nicht weniger als fantastisch umgesetzt.

Wie gut das umgesetzt ist, zeigt der Verein FK Baku, der im Jahr 2012 einen Studenten als Trainer verpflichtete, welcher selbst unzählige Stunden Football Manager spielte. Unglaublich, aber wahr!

Jede kleine Stellschraube beeinflusst euer Verein auf und abseits des Spielfeldes. Hat man beispielsweise dem Spieler am Vortag wegen seiner schlechten Trainingsleistung kritisiert, so kann es sein, dass er am nächsten Tag trainiert wie ein Wahnsinniger. Sagt man auf einer Pressekonferenz lobende Worte über euren Stürmer, weil er gerade ein wichtiges Tor geschossen hat, kann es sein das der Spieler dies bemerkt und dadurch einen Moralschub bekommt. Doch das kann auch nach hinten losgehen, etwa wenn man das Training nicht so gestaltet, wie eure Kicker sich das wünschen würden. Die Folge: Die Moral sinkt und die Performance während des Spiels geht in den Keller.

„Das Spiel ist zu weit, zu eng.“ – Wolfram Esser

Wir als Manager des Vereins haben bei Football Manager 2019 die freie Wahl zu tun und zu lassen, was wir wollen – in einem gewissen Rahmen. Wir können unsere favorisierten Taktiken spielen, Spieler aufstellen, Trainingsplan erstellen, Spieler beobachten und, sofern das Geld stimmt, auch Spieler kaufen. Doch alles unter Beobachtung des Vorstands. Dieser hält eure Aktionen stehts unter Kontrolle. Ist man gut mit dem Vorstand, ist man auch gut mit dem Verein. Diesen kann man auch um Hilfe bitten, sei es um mehr Geld oder auch um Vertragsverhandlungen bei Spielerkäufen. Ist es nicht gut mit euch und den Vorstand, gibt es schnell Probleme – bis hin zur Kündigung.

Alles im Football Manager ist derart detailliert mit Informationen versorgt worden, dass es schon fast unheimlich wirkt. So detailliert, dass man beispielsweise 2008 mit dem FC Everton eine Abmachung schloss, dass der Verein die Datenbank nutzen durfte, um mögliche neue Spieler oder gegnerische Mannschaften beobachten zu dürfen. Dutzende Attribute bei mehr als 200.000 (!) Spielern in der Datenbank, die zum größten Teil auch mit Fotos versehen sind, ist wirklich beeindruckend.  Doch nicht nur von Spielern, auch von Trainern, Mitarbeitern, Vorständen und Vereinen sind dabei.

„Das Geheimnis des Fußballs ist ja der Ball.“ – Uwe Seeler

Was gibt es denn Neues im neusten Teil des Football Managers? Wie oben schon erwähnt, die nun die Bundesliga und die 2. Bundesliga lizensiert im Spiel zu finden. Daneben ist erstmals die deutsche Übersetzung, die nun nicht mehr per Modifikation einfügen muss, sondern direkt vorhanden ist. Die Übersetzung ist gut, ist aber nicht perfekt. Ein paar Übersetzungsfehler sind hier und dort zu finden. Macht aber nix.

Die größte Neuerung ist wohl das überarbeitete Training, welches nun deutlich besser bedienen ist und mit mehr Möglichkeiten zum Trainieren der eigenen Mannschaft daherkommt. Auch das Taktikfenster ist überarbeitet worden, wo es nun mit wenigen Klicks möglich ist, sich seine Taktik für seine Mannschaft zusammenzubauen.

Außerdem wurde ein Tutorial für neue Spieler eingeführt. Diese bestehen zwar nur aus kurzen Beschreibungstexten und hilft beim ersten Mal die Handhabung bei den jeweilen, relevanten Bereichen. Um die zum Teil komplexen Menüs in ihrer Gänze zu verstehen, reicht das Tutorial aber leider nicht aus. Schade, verschenktes Potenzial.

Sonst sind die Neuerungen im Detail zu finden. Der Videoassistent und die Torlinientechnologie sind jetzt verfügbar, Teamansprachen geben mehr Feedback und die Optik ist ein wenig überarbeitet worden.

„Ab der 60. Minute wird der Fußball erst richtig schön. Aber da bin ich immer schon unter der Dusche.“ – Andreas Herzog

Wo wir schon bei der Optik sind: Diese ist, gelinde gesagt, meh. Man darf keine Augenweide wie etwa Fifa 19 erwarten. Ja selbst mal der Fussball Manager 2014 von EA Sports ist heute noch schöner anzuschauen. Die Spieler wirken wie Knetgummi, wo die Körperproportionen teilweise lächerlich wirken. Gesichter der Spieler sind aus Bausteinen zusammengebaut, Bewegungsabläufe könnten aus der Augsburger Puppenkiste stammen und die Stadionatmosphäre ist auf dem Niveau von Fifa 2000.

Die Menüs sind schlicht gehalten und je nachdem welches Team man wählt, stellt das Spiel die passenden Vereinsfarben zur Verfügung. Doch mehr darf man auch hier nicht erwarten. Football Manager macht sich keine Mühe, die Zahlen und Tabellen zu verbergen. Und das ist auch gut so. Denn hier ist ganz klar der Fokus auf das Gameplay gemacht worden. Wer sich damit anfreunden kann, ist hier gut aufgehoben. Wer Grafiken á la Fifa 19 erwartet, ist hier völlig fehl am Fußballplatz.

 

Überblick der Rezensionen
Insgesamt Fazit
89 %
Ich bin leidenschaftlicher Gamer, Fußballfan (nur der FCSP!) und Strippenzieher, wortwörtlich..